Fotowiesel.de BasisFotomapInfo PayPal Gefällt Mir Button
Berlin erforschen und Brandenburg entdecken
Basis | Berlin erforschen |

Böhmisches Brauhaus Friedrichshain

Die Brauerei Böhmisches Brauhaus von 1868 war eine Brauerei in Berlin-Friedrichshain. Das Gebäude der Mälzerei an der Friedenstraße wurde 2001 zu Büro- und Gewerberäumen mit dem Namen "Neue Mälzerei" umgebaut. Das Sudhaus und Maschinenhaus steht seit 1999 leer und ist eine Industrieruine. 2015 wurde die Brauerei für den Neubau des Wohnquartiers "Böhmisches Viertel" abgerissen.

Die ehemalige Brauerei Böhmisches Brauhaus in Friedrichshain befindet sich zwischen Landsberger Allee, Friedenstraße, Pufendorfstraße und Matthiasstraße. Gegenüber der Landsberger Allee befindet sich der Volkspark Friedrichshain mit dem Klinikum Friedrichshain. Hinter der Matthiasstraße befindet sich der St. Georgen-Friedhof. An der Pufendorfstraße die Auferstehungskirche, ein Sportplatz und Internat, dahinter der Parochial-Friedhof und der St. Petri-Friedhof.

Das Sudhaus wurde in den Jahren 1868 und 1869 errichtet. Die weiteren Gebäude der Brauerei wurden in den 1870er und 1880er Jahren erbaut. Dazu gehören drei miteinander verbundene zwei- und dreigeschossige Kellergewölbe. Diese wurden Anfangs als Eiskeller und ab 1883 als Bierlager sowie zu DDR-Zeiten als Weinlager benutzt.

Im Jahr 1893 erwarb die Brauerei das angrenzende südliche Grundstück zur Friedenstraße, worauf 1898/99 eine fünfgeschossige Mälzerei erbaut wurde. Da sich das Gebäude auf einem Geländesprung mit einem Höhenunterschied von bis zu zehn Metern befindet, weist es zur Friedenstraße fünf beziehungsweise sechs und zum Betriebshof nach Nordosten nur drei Geschosse auf, deren untere beiden in den doppelgeschossigen Keller übergehen. So besteht ein ebenerdiger Zugang zu den Lagerkellern, was zu Betriebszeiten die Transportarbeiten erleichterte.

1898 wurde vom Böhmischen Brauhaus das erste Biertransportauto in Berlin eingesetzt. Zehn Jahre später entstand mittels Preisausschreiben der noch heute benutzte Markenname Pilsator für das Bier nach Pilsner Brauart.

Im Jahr 1910 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und fusionierte nach dem Ersten Weltkrieg mit der "Löwenbrauerei" in Hohenschönhausen zur "Löwenbrauerei-Böhmisches Brauhaus".
Der Betrieb wurde nach der Enteignung der in Ost-Berlin gelegenen Brauerei-Filialen in die 1926 übernommene Bergschloss-Brauerei in West-Berlin verlegt. 1978 wurde die Löwenbrauerei-Böhmisches Brauhaus von der Schultheiss-Brauerei übernommen und stillgelegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in dem stark zerstörten Komplex kein Bier mehr erzeugt. Der Lagerkeller wurde 1952 bis 1992 von der Berliner Weingroßkellerei genutzt und bildete das größte Weinlager der DDR. Im Mälzereigebäude befand sich ein Lager des Großhandelskontor Schuhe. In den 1970er Jahren wurden auf dem Gelände mehrere Werkstätten und Lagerflächen eingerichtet, sowie ein Umspannwerk gebaut.
Das ehemalige Sudhaus war unter anderem erster Sitz des 1952 gegründeten Sportvereins SG Empor Brandenburger Tor 1952. Dieser baute den Standort zu einer Sportanlage mit Kegelbahnen, Sporthalle, Leichtathletikhalle, Billard- und Tischtennisraum sowie einer Sportgaststätte um. Genutzt wurde die Sportstätte noch bis 2001.

Die Brauerei Böhmisches Brauhaus wurde 1868 direkt angrenzend an einen Armenfriedhof gebaut, auf dem von 1832 bis 1881 bestattet wurde. Dieser Armen-Begräbnis-Platz war eine Erweiterung des 1831 zur damaligen Choleraepidemie angelegten Cholera-Kirchhof neben dem dort schon bestehenden Parochialfriedhof. Der Cholera-Kirchhof lag an der Kommunikation (heute Friedenstraße) zwischen Frankfurter Tor und Landsberger Tor außerhalb Berlins an der damaligen Zolllinie (Palisade, Akzisemauer) und unweit des Hospitals für Tuchmacher und dem Nicolaus-Hospital an der damaligen Frankfurther Straße sowie den späteren Hospitalen an der Palisadenstraße, wie der Pocken-Anstalt, das Friedrich-Wilhelm Hospital und das Gesinde Hospital (heute Gesundheitsamt). Um 1870 wurde der Armenfriedhof nördlich erweitert. Nach dem Anlegen der Pufendorfstraße im Jahr 1895 wurden in den Folgejahren auf der Teilfläche des Armenfriedhofs zwischen Pufendorfstraße und Brauerei kleinere Gebäude errichtet. Im Jahr 2016 wurden auf der Fläche des Armenfriedhofs die Gräber der nördlichen Erweiterung von um 1870 wiederentdeckt und als Massengrab tituliert.

1892-93 wurde zwischen der Pufendorfstraße Matthiasstraße und Diestelmeyerstraße die 59. u. 181. Gemeindeschule gebaut, die im Zweiten Weltkrieg bis auf ein Nebengebäude von 1904 zerstört wurde. In der Gemeindeschule wurden versuchsweise die Aborte/Closets/Klosetts mit Wasserspülung in einem mehretagigen Anbau mit Zugang vom Treppenhaus auf halber Treppe gebaut. Der Versuch war wohl einmalig, da insbesondere im Sommer der Gestank der Toiletten sich im Treppenhaus verteilte.
Auf dem Areal wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Baracken sowie 1980 zwei Schwesternwohnhäuser an der Pufendorfstraße gebaut. In der südlichen Baracke befindet sich heute der Evangelische Kindergarten der Auferstehungsgemeinde. Die nördliche Baracke wurde 2006 für den Bau eines Wohnhauses abgerissen. In dem erhaltenen Nebengebäude von 1904 in der Diestelmeyerstraße ist 1957 das Internat der Schwerhörigenoberschule ansäßig geworden, heute Internat der 1. Schwerhörigenschule Friedrichshain "Margarethe von Witzleben".

Nicht zum Gelände der Brauerei gehörte ein 30 Meter breiter Streifen entlang der Pufendorfstraße. Das Gelände zwischen der (späteren) Brauerei und dem östlich angrenzenden Parochial-Friedhof wurde 1822 vom Berliner Magistrat für die Nutzung als Städtischer Friedhof erworben. 1831 brach in Berlin eine Cholera-Epedemie aus, wobei der hintere östliche Teil dieses Friedhofgeländes zur Bestattung der Cholera-Leichen genutzt wurde und fortan "Cholera Kirchhof" gegannt wurde (bis 2016 Sportplatz hinter der Kirche). Wie viele von den offiziell bekannten 1.426 Cholera-Toten der Cholera-Epedemie 1831-1832 dort bestattet wurden ist unbekannt - wahrscheinlich alle. Zwischen 1841 und 1845 wurde eine weitere Fläche von diesem Gelände von westlich neben dem Cholera-Friedhof bis hinunter zur Friedenstraße als sogenannter Armenfriedhof angelegt. In den Folgejahren wurde das gesamte Gelände als Armenfriedhof benannt, sowie wurde der Cholera-Friedhof ein Teil vom Armenfriedhof. Zudem wurde der Armenfriedhof für Anatomie-Leichen der Charitee und für Selbstmörder-Leichen genutzt. 1862 wurde der Armenfriedhof um die Hälfte nach hinten erweitert. Bereits 1874 wurde über die Umbenennung in Städtischer Begräbnisplatz und die Schließung des Armenfriedhofes diskutiert. 1878 wird erwähnt, dass der Armenkirchhof beinahe vollständig belegt sei. 1881 wurde der Armenfriedhof mit Eröffnung des Städtischen Zentralfriedhof Friedrichsfelde geschlossen. 1892-93 wurden auf dem Teil der Friedhosferweiterung von 1862 zwischen Diestelmeyerstraße und Pufendorfstraße mehrere Schulgebäude gebaut. 1892-1895 wurde auf der Friedhofsteilfläche vor dem Cholera-Friedhof die Auferstehungskirche gebaut. Für den Bau der Schulen und der Kirche wurden insgesamt 7.805 Tote aus ihren Gräbern umgebettet, darunter anscheinend auch Tote aus frischen Gräbern. An der Ecke zur Friedenstraße gegenüber der Auferstehungskirche war nach Schließung des Armenfriedhofs 1881 ein Holzplatz mit Holzhandlung, an der sich ein Steinmetz niederlies. Dahinter auf der selben Straßenseite in der Pufendorfstraße wurde in den 1960er Jahren das Umspannwerk gebaut. Auf der selben Straßenseite rechts neben dem Umspannwerk in der Pufendorfstraße war zu DDR-Zeiten die Firma Gerüstbau Paul u. Ernst Eichner KG, ab 1971 VEB Gerüstbau Friedrichshain, Leitergerüstbau. Auf der selben Straßenseite davon rechts war bereits 1896 die Firma W. Förster & Sohn, Wagenfabrik und Steinsetzerwerkzeuge, zu DDR-Zeiten Hauptzugang zur vom BSG Empor Brandenburger Tor genutzten Brauerei. Auf der selben Straßenseite direkt rechts daneben auf der Friedhofserweiterungsfläche von 1862, auf der 2016 die Gräber ausgehoben wurden, war ab 1971 die Produktionsgenossenschaft des Steinmetzhandwerks "Steinmetzhütte Berlin" Betrieb VII, (1964 Betrieb V Friedenstraße 61, 1967 Betrieb VII Matthiasstraße 4, 1969 Betieb IX Friedenstraße 84), ab 1974 Betrieb X, ansässig. Die Fläche der 2016 freigelegten Gräber vom Armenfriedhof in dessen nördlichen Teil westlich der Pufendorfstraße blieb die Jahre über, außer drei Schuppen am Rande, unbebaut und wurde zu DDR-Zeiten in Karten wieder als Grünfläche markiert. 2017-2018 wurde auf der Friedhofsfläche vom ehemaligen Cholera-Friedhof, auf dem in den 1890er Jahren ein Park der Auferstehungskirche und zu DDR-Zeiten ein Sportplatz angelegt wurde, ein Schulgebäude in Schnellbauweise gebaut.


© 2004 - 2019 Fotowiesel.de - Alle Rechte vorbehalten. | Datenschutzerklärung & Impressum & Kontakt
Cookies in Gebrauch.
Weitere Informationen