Schöneicher Plan
Der sogenannte Schöneicher Plan war eine Landschaft südlich von Mittenwalde und nördlich von Schöneiche sowie westlich von Gallun und östlich von Telz. Diese Landschaft ist heute größtenteils eine Deponie mit selbigem Namen. Im nordwestlichen Bereich vom Schöneicher Plan verläuft der Nottekanal — ehemaliges Notte Fließ. Im östlichen Bereich verläuft der Gallun Kanal sowie das Galluner Fließ. Mitten durch den Schöneicher Plan verläuft der Muckergraben. In der Schmettau-Karte (1767-1787) ist die Gegend mit "Der Otto Werder oder der Mittenwaldische Gr. Plan genant" beschriftet. Ein Werder ist eine Erhebung in einem Feuchtgebiet. Der Otto Werder ist in der Schmettau-Karte noch einmal extra verzeichnet und lag/liegt direkt am Nottekanal — heute ein Acker nordöstlich der alten Fabrik auf Schöneicher Plan.

Auf dem Schöneicher Plan gab es Ton-Vorkommen. Allerdings war die Gegend entlang vom Notte Fließ von Überschwemmungen betroffen. Daran beteiligt waren die am Notte Fließ bei Mittenwalde und Königs Wusterhausen gelegenen Wassermühlen, welche die Notte für ihre Zwecke anstauten. Zumindest hielt die Motzener Mühle das Wasser vom Töpchiner See zurück, indem sie diesen bis hart an das Dorf Sputendorf (heute Waldeck) anstaute.

1568 soll das Notte Fließ erstmals schiffbar gemacht worden sein. In einem Wörterbuch aus dem Jahre 1822 wird der Fluss Notte mit der Bemerkung "bey dem Klausdorf'schen See schiffbar wird" erwähnt. Im Jahr 1836 wird die Notte mit der Bemerkung "in der neuern Zeit schiffbar gemacht worden" erwähnt. Im 16. Jahrhundert war der Bau von Schleusen in Deutschland bekannt. Von daher ist es möglich, dass bereits 1568 eine oder mehrere Schleusen in die Notte integriert wurden. In der Schmettau-Karte (1767-1787) ist bei Mittenwalde ein Stück der Notte mit "neue Schleuse" und daneben mit "Stau Arche" beschriftet. Ein weiteres Stück fließabwärts ist mit "Der neue Graben" sowie ein danebenliegendes Fließ als "alte ???" beschriftet. Das sieht danach aus, als wenn die Notte zwischen Mittenwalde und der heutigen Autobahn A 13 begradigt wurde. Eine ebensolche "Stau Arche" ist am "Notten Flies" zwischen Telz und Mittenwalde eingezeichnet. Dort verläuft die Notte ebenfalls ungewöhnlich gerade. Auch dort fand scheinbar eine Begradigung statt. Der Begriff "Arche" (Kiste, siehe "Arche Noah") meinte früher die Schleusenkammer und "Freiarche" meinte den Umfluter / Freifluter. Der Begriff "Stau Arche" meint eine Schleusenkammer mit Stauwehr. Eine weitere Stau Arche ist zwischen Mellensee und Hechtsee eingezeichnet (alter Verlauf der Notte). Diesen Informationen ist zu entnehmen, dass die Notte zu dieser Zeit bereits zum Teil begradigt war und mittels "Stau Archen" reguliert wurde. Allerdings gab es weiterhin Überschwemmungen.

Die Überschwemmungen machten einen Abbau der Tonvorkommen und insbesondere eine Verarbeitung desselben vor Ort schwierig bis unmöglich. Dennoch soll es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts eine Ziegelei auf Schöneicher Plan gegeben haben. In einem Meßtischblatt ohne Datierung, dass auf um 1870 datiert werden kann, ist eine einzelne Ziegelei auf Schöneicher Plan eingezeichnet. Es ist die Ziegelei, von der heute noch das Ziegelei-Anwesen auf der südlichen Straßenseite der Straße Am Telzer Plan (Nr. 7) vorhanden ist. Im selben Meßtischblatt mit Nachträgen von 1876 sind bereits 6 Ziegeleien auf Schöneicher Plan eingezeichnet. Diese 5 weiteren Ziegeleien entstanden, nachdem die Notte (Nottekanal) im Jahr 1857 erneuert und 1860 der Gallun Kanal eröffnet wurde. Die Erneuerung des Nottekanals fand unter anderem wegen der Melioration der Notteniederung statt und senkte den Wasserspiegel der anliegenden Seen. Zudem ermöglichte der neue Nottekanal einen besseren Transport der Ziegelsteine auf dem Wasserweg nach Berlin. 1895 wurde zudem ein Stichgleis von der Königs Wusterhausen-Mittenwalde-Töpchiner Kleinbahn von Gallun aus nach Schöneicher Plan verlegt. 1903 wurde ein Stichgleis von der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn von Mittenwalde aus nach Schöneicher Plan verlegt. Ersteres wurde 1913 aufgegeben. Zweiteres liegt heute noch.

In den 1920er bis 1930er Jahren beendeten die Ziegeleien als solches ihren Betrieb und wurde damit begonnen die Tongruben mit Müll, der per Bahn aus Berlin nach Schöneicher Plan transportiert wurde, zu füllen. Dies wurde erst im Jahr 2005 eingestellt. Die Deponie verfügt über keine Abdichtung nach unten und wurde/wird von oben versiegelt.

Das Gleis der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn von Mittenwalde nach Schöneicher Plan wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Richtung Dabendorf zur Eisenbahnstrecke der Berlin-Dresdener Bahn verlängert sowie nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung von der Sowjetarmee abgebaut und kurz darauf erneut verlegt.

Auf Schöneicher Plan sind heute noch Gebäude von 4 ehemaligen Ziegeleien vorhanden. Ein Ziegelei-Anwesen von 1894 steht mit folgenden Bauwerken unter Denkmalschutz: Gehöft, bestehend aus Wohnhaus, Tor, Kuhstall mit Taubenhaus, Stallgebäude, Scheune, Remise, Hundehütte, Parkmauer, Pflasterung des Hofs und den beiden Zufahrten mit Ziegelsteinen.

Das Dorf Schöneiche wurde im Jahr 1490 erstmals urkundlich erwähnt. Die alte Straße zwischen Zossen und Kallinchen sowie Gallun führte südlich am Dorfkern vorbei (heute Zossener Weg) und stieß am östlichen Ende vom Dorfanger auf diesen. Die Straße über Telz nach Mittenwalde (heute Telzer Straße) führte über den Dorfanger. Im Jahr 1864 wurden die Straßen von und nach Schöneiche mit Lehm chaussiert. Es bestanden Lehmchausseen auf den Straßen von Schöneiche nach Telz, sowie nach Gallun, nach Callinchen, nach Zehrensdorf und nach Wünsdorf. Mit der neueren Chaussierung um 1885 wurde die heutige Straße entlang dem Muckergraben zur Straße Zossen-Mittenwalde angelegt und die anderen als solche vernachlässigt, bzw. der alte Zossener Weg zum Radweg ausgebaut. Die alte Telzer Straße ist heute wegen fehlender Brücke über den Nottekanal nur noch ein Feldweg.

Im Dorf Schöneiche ist der Bauernhof der Familie vom ehemaligen Landwirt Schadow noch vorhanden. Dessen Nachfahren wohnen heute noch in Schöneiche.


Ziegeleien Schöneicher Plan
Im Folgenden auffindbare Erwähnungen von Ziegeleien auf Schöneicher Plan nach Familiennamen sortiert.

Erste Erwähnung: 1875 Ziegelei C. Fritze und F. Hartmann, Adlerziegelei, C. Fritze’­ und F. Hartmann’sche Kanal.
Standort: Am Ende vom westlich gelegensten Stichkanal, vom Nottekanal.
Weitere Erwähnungen: 1881 Fritze’sche Ziegelei. 1886 früher Fritze’sche Ziegelei.

Erste Erwähnung: 1875 Plettenberg’sche Ziegelei, Plettenberg’sche Kanal.
Standort: Am Ende vom mittleren Stichkanal mit Knick, vom Nottekanal.
Weitere Erwähnungen: 1875 Plettenberg’sche Ziegelei in Schöneiche bei Zossen. 1881 Plettenberg'sche Ziegelei. 1883 früher Plettenberg’schen Ziegelei zu Schöneicher­Plan b. Mittenwalde. 1884 Plettenberg’sche Ziegelei bei Mittenwalde.

Erste Erwähnung: 1875 Ziegelei, Töpfermeister Louis Krause.
Standort: Eventuell die nordöstlich gelegene (erste).
Weitere Erwähnungen: 1885 Ziegelei F. H. Krause. 1887 Krause’sche Ziegelei. 1888 C. J. Krause'sche Ziegelei. 1889 Krause'sche Ziegelei.

Erste Erwähnung: 1884 Koch’sche Ziegelei.
Weitere Erwähnungen: 1889 Koch'sche Ziegelei. 1896 Ziegelei Max Koch.

Erste Erwähnung: 1886 Ziegeleibesitzer Otto Mack (früher Fritze’sche Ziegelei).
Weitere Erwähnungen: 1886 Mack’sche Ziegelei (Nackt'sche Ziegelei). 1888 Mack´sche Ziegelei. 1889 Ziegelei P. Mack. 1896 Brücke über den Privat-Kanal bei der Mack’schen Ziegelei.

Erste Erwähnung: 1892 Schulze'sche Ziegelei.

Allgemeine Erwähnung: 1894, 11 Ziegeleien in Schöneiche.


Die Berliner Firma Chemische Werke Merkur G. m. b. H. betrieb auf Schöneicher Plan eine Zweigfabrik. Folgende Erwähnungen sind im Berliner Adreßbuch gelistet. Die Fabrik ist umgangssprachlich als Seifenfabrik Sunlicht oder Lehrgerätewerk Mittenwalde bekannt.

1911 Chemische Werke Merkur G. m. b. H., Geschäftsführer Dr. Jul. Scheidemantel (München) und O. Matthieß, Berlin Königstraße.
1912 Chemische Werke Merkur G. m. b. H., Geschäftsführer Dr. Jul. Scheidemantel (Südende) und O. Matthieß (Hohenschönhausen), Hohenschönhausen Große Leege Straße.
1913 Chemische Werke Merkur G. m. b. H., Geschäftsführer O. Matthies (Hohenschönhausen), August Scherer und Jean Lohner (Mittenwalde), Hohenschönhausen Große Leege Straße.
1914-1916 Chemische Werke Merkur G. m. b. H., Geschäftsführer O. Matthies (Hohenschönhausen), August Scherer, Hohenschönhausen Große Leege Straße.
1925 Chemische Werke Merkur G. m. b. H., Hohenschönhausen Große Leege Straße.

Die Firma Chemische Werke Merkur G. m. b. H. wurde 1911 als Neugründung gelistet.
(Zeitschrift für angewandte Chemie, XXIV. Jahrgang, Heft 5, 3. Februar 1911, Seite 218).

1919 Erwähnung der Firma Chemische Werke Merkur G. m. b. H. mit Standort Schöneicher Plan b. Mittenwalde i. M. (Die Rohfettwirtschaft, Alfons Wilhelm Knetsch, 1919, Seite 162).

Chemische Werke Merkur G. m. b. H., Tierkörperverwertungsbetrieb.
1923-33 Seifen- und Waschmittelfabrik der Fa. Sunlicht.
1933-45 Herstellung und Verarbeitung von Plexiglas (Plexiglaskanzeln für Stukas).
Nach 1945 Lehrgerätewerk und Reparaturwerk Mittenwalde im Rüstungskombinat "Spezialtechnik Dresden". Instandsetzung von NVA-Luftraum-Überwachungstechnik, Lackiererei (pneumatisches Spritzen), Verwendung und Umgang mit Lösungsmitteln, galvanische Oberflächenbehandlung von Metallen. Herstellung von Gewehren, Flakgeschützen, Feuerleitsystemen, Panzerabwehrraketen und High-Tech-Waffen.
Nach 1990 Mittenwalder Gerätebau GmbH (MGB GmbH). Instandsetzung und Modernisierung von Straßenbahnfahrzeugen, Baumaschinenherstellung, Fertigung von Industrieausrüstungen für die Autoindustrie.
Firma "m Schienenfahrzeuge".
Heute GBM Gleisbaumechanik Brandenburg/H. GmbH Betrieb Mittenwalde. General Atomics Europe GmbH. General Atomics Europe Gruppe.
(Teils: Handbuch zur Erkundung des Untergrundes von Deponien und Altlasten, Band 8, Gerhard Lange und ‎Klaus Knödel, 2013, Seite 217).

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