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Berlin erforschen und Brandenburg entdecken
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Köpenick Industrie

Sommerhaus Wendenschloss
Im Ortsteil Wendenschloss von Köpenick stand bis 2016 ein 1911 von der Berliner Hausbaugesellschaft m.b.H. als Sommersitz eines Sanitätsrates und hochrangigen Beamten der preußischen Gesundheitsverwaltung errichtetes Sommerhaus. Im Jahr 2016 wurde das Sommerhaus an seinen neuen Standort nach Albrechts Teerofen am westlichen Ende vom Teltowkanal bei Kohlhasenbrück nahe Potsdam versetzt. Das Sommerhaus war ein Kataloghaus und ist ein Teilfertigbau in Holzskelettbauweise mit einfacher Innen- und Aussenverbretterung aus dem amerikanischen Red-Pine-Baum. Der Architekt war Richard Jacobi aus Friedenau. Zum Aufstellen wird nur ein Fundament benötigt. Das Haus und der dazugehörige Drahtzaun ist denkmalgeschützt. Von welcher Firma der Drahtzaun hergestellt wurde ist nicht bekannt und ob der Drahtzaun mit versetzt wurde ebenso nicht.
Die 1909 gegründete Berliner Hausbaugesellschaft m.b.H. mit Geschäftsführer Architekt Carl Jacobi aus Friedenau wurde 1912 umbenannt in Berliner Hausbaugesellschaft Karl & Richard Jacobi, Halensee. Gesellschafter waren der Architekt Karl Jacobi aus Friedenau und der Architekt Richard Jacobi aus Friedenau.

Kabelwerk Köpenick
Das ehemalige Kabelwerk Köpenick (KWK) zwischen Müggelspree und Friedrichshagener Straße wurde 1916-1918 von der 1858 gegründeten Telegraphendraht-Fabrik C. J. Vogel (1916: Actien-Gesellschaft vorm. C. J. Vogel mit Fabrik in Adlershof bei Berlin) errichtet. Bis 1921 wurde das Werk in Köpenick um ein Kabelwerk erweitert und firmierte sodann als Kabelwerk Vogel AG, sowie wenige Jahre später als Draht- und Kabelwerke AG C. J. Vogel, Werk I Sedanstraße (Adlershof, heute Florian-Geyer-Straße), Werk II Friedrichshagener Straße (Köpenick). 1945 wurde die Draht- und Kabelwerke AG C. J. Vogel zu einem SAG-Betrieb (Sowjetische Aktien-Gesellschaft). 1950 wird das Werk an die Regierung der DDR übergeben. 1951 wird das Werk in Adlershof als Zweigwerk vom Kabelwerk Köpenick vormals C. J. Vogel erwähnt. Im Jahr 1952 wird das Werk ein letztes mal mit altem Name erwähnt: Kabelwerk Köpenick, vormals C. J. Vogel, Köpenick Friedrichshagener Straße 11, Zweigwerk Adlershof Florian-Geyer-Straße 109. Ab 1952 wird das Kabelwerk Köpenick zum VEB Kabelwerk Köpenick "KWK" im Kombinat VEB Kabelwerk Oberspree "KWO". Das Werk in Adlershof firmiert im Kombinat KWO als VEB Kabelwerk Adlershof mit Werk I im Büchnerweg 81-91 in der ehemaligen Mechanischen Feinweberei Adlershof und Werk II im alten Werk. 1989 wird das KWK wiederum ein letztes mal unter diesem Namen erwähnt: VEB Kombinat Kabelwerk Oberspree (KWO) Wilhelm Pieck, Kabelwerk Köpenick (KWK), Friedrichshagener Straße 11. Zu DDR-Zeiten war das KWK zudem ein VEB IKA (Installation, Kabel und Apparate). Allerdings erst nach der Auflösung des VVB IKA (Vereinigung Volkseigener Betriebe für Installationen, Kabel und Apparate) und nur in Verwendung als Markenname.

Die Vereinigung Volkseigener Betriebe für Installationen, Kabel und Apparate (VVB IKA) wurde 1948 gegründet, bestand allerdings schon 1-2 Jahre vorher. Die VVB war der Vorvorgänger der Volkseigenen Betriebe (VEB). 1952 wurde die Vereinigung Volkseigener Betriebe IKA (VVB IKA) in die Verwaltung Volkseigener Betriebe IKA (VVB IKA) umgewandelt. 1953 wurde die VVB IKA aufgelöst. "IKA" blieb als Markenname weiterhin bestehen und wurde als VEB IKA weiterverwendet. Das Kabelwerk Köpenick wurde mit dem Markennamen VEB-IKA geschmückt.

Ab den 1970er Jahren wurde das KWK mit dem Bau neuer Werkshallen auf der gegenüberliegenden (nördlichen) Straßenseite erweitert. Dieses bis zum Neuenhagener Mühlenfließ (Erpe) reichende Gelände gehörte bereits 1918 zur Draht- und Kabelwerke AG C. J. Vogel. Ab 1990 firmierte das KWK als Kabelwerke Köpenick GmbH und wurde 1993 verkauft. Mitte der 1990er Jahre wurde das alte Werk südlich der Friedrichshagener Straße geschlossen. Im Werk auf der nördlichen Straßenseite werden weiterhin Kabel produziert (2018: Eisenbahnsignalkabel, Weitverkehrskabel, Fernmeldeortskabel, Automation- und Datenkabel, Bergbau- und Spezialkabel).

Das Kabelwerk Köpenick hatte einen Betriebsgleisanschluss an den Güterbahnhof Köpenick an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn. Auf dem Fabrikgelände bestand ein Schienennetz mit zwei Drehscheiben.

Glanzfilm AG
In den Jahren 1922-1925 wurde westlich (etwas versetzt) neben das Kabelwerk Köpenick sowie direkt südlich vom Park Bellevue an der Friedrichshagener Straße die Fabrikanlage der Glanzfilm AG nach Entwürfen der Architekten Heinz Müller-Erkelenz und Ferdinand Flakowski gebaut. 1927 wurde die Firma Glanzfilm AG von der Firma Kodak übernommen und die Fabrik firmierte als Kodak AG, Werk Köpenick. Nach der Übernahme bis mindestens 1943 war der Beriebsleiter der Rohfilmfabrik in Köpenick der Kodak AG der Chemiker Dr. G. von Miller. Zuvor wurde ein Dr. phil. Plöcker und ein Dr. W. Hannemann als Chemischer Betriebsleiter erwähnt. Nach 1945 war der Fabrikleiter der Kodak AG Filmfabrik Köpenick der Köpenicker Kaufmann Karl Bartholmai. 1956 wurde die Fabrik umbenannt in VEB Fotochemische Werke Köpenick. 1992 ging die Filmfabrik als Fotochemische Werke Köpenick GmbH wieder an die Firma Kodak. Diese legte die Fabrik bis auf die Herstellung der medizinischen Röntgenfilme mit dem Namen "x-ray RETINA" still. 2010 wurde die Fabrik komplett geschlossen. Ab 2010 wurde die ehemalige Filmfabrik zu einer Wohnsiedlung mit Gewerbenutzung umgebaut.

Durch einen Grundstückstausch ging im Jahr 1927 ein Teil vom Werksgelände der westlich gelegenen ehemaligen Papst-Werft an die Kodak AG. Deren Tauschgebiet bestand aus dem Grundstück der heutigen Gartenarbeitsschule Köpenick. Auf dem nun zum Grundstück der Kodak AG gehörendem schmalen Geländestreifen von der Straße bis zur Spree wurde ein Tennisplatz angelegt, sowie erst mehrere kleine und dann ein größeres Fabrikgebäude gebaut und letztendlich zu DDR-Zeiten der ganze Geländestreifen mit Gebäuden bebaut. Seit der Bebauung des Fabrikgeländes mit einer Wohnsiedlung ist dieser Geländestreifen nicht mehr erkennbar.

Die Filmfabrik hatte einen Betriebsgleisanschluss an den Güterbahnhof Köpenick an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn. Auf dem Fabrikgelände bestand eine Weiche für ein Betriebsgleis zur westlich nebenan gelegenen Papst-Werft.

Die bis zu DDR-Zeiten unbebaute Südspitze vom Fabrikgelände der ehemaligen Rohfilmfabrik ist ähnlich einer Halbinsel und wird Krusenick genannt. Auf dem Krusenick bestand eine slawische Siedlung gleichen Namens, die aus dem slawischen übersetzt Birnenort heißt. Der Name Köpenick ist ebenso slawisch und heißt übersetzt Inselort.

Bellevuepark Köpenick
Der Park Bellevue (heute Bellevuepark) zwischen Friedrichshagener Straße und Neuenhagener Mühlenfließ (Erpe) entstand an einem zum Schloss Köpenick gehörenden Lustgarten auf einer östlich der Dammvorstadt gelegenen sandigen Anhöhe am Weg durch die Kummendammer Heide nach Schöneiche und entlang der Großen Müggel See nach Rahnsdorf. Im Jahr 1715 wurde auf dieser sandigen Anhöhe das heute noch erhaltene Gärtnerhaus errichtet. An diesem Lustgarten mit Gartenhaus entstand die Meierei Bellevue. Zudem standen dort zwei Windmühlen und am Neuenhagener Mühlenfließ (Erpe) die Sandmühle. Ab 1749 bewohnte die 1716 verheiratete und seit 1731 verwitwete Herzogin Henriette Marie von Württemberg-Teck, 1702 geborene Prinzessin von Brandenburg-Schwedt, das Schloss Köpenick. Henriette Marie wurde allen Anschein nach von ihrem Bruder dem Markgrafen Friedrich Wilhelm von Schwedt finanziell ausgehalten. Dieser wollte die Kosten senken und schickte den Freiherr von Krohne, der ihm vorher seine Dienste angeboten hatte, auf das Schloss Köpenick. Freiherr von Krohne warf einen Hofrat raus und machte sich dadurch zwei Feinde, die ebenenso einen Rauswurf erwarteten. Diese kamen dem Freiherr allerdings zuvor und setzten ihn vor die Tür. Einer von diesen beiden war der Hofprediger Saint-Aubin (St. Aubin). 1766 wurde im Lustgarten ein Herrenhaus (Gusthaus) gebaut, das Schloss Bellevue genannt wurde. Dieses erhielt der Hofprediger Saint-Aubin im selben Jahr als Geschenk.

Der Name Bellevue ist insoweit verwirrend, da das Schloss Bellevue in Berlin auch am Standort einer ehemaligen Meierei steht, die Knobelsdorffs Meierei hieß, und deren beide Entstehungsgeschichte in ungefähr selber Zeit von 1746-1786 stattfand.

Das Schloss Bellevue in Köpenick wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Am Neuenhagener Mühlenfließ (Erpe) steht ein Flak-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Mitten im Park steht eine abgestorbene Stieleiche von 1752.

Fromms Act Gummiwerke
Zwischen dem Bellevuepark und dem nicht genutzten Gelände der C. J. Vogel Draht- und Kabelwerke AG war das Gelände der Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte-Beschaffungsstelle (Mangela). 1929 erwarb der Kondom-Fabrikant Julius Fromm den östlichen Teil dieses Grundstücks und errichtete dort eine neue Kondom-Fabrik seiner Firma Fromms Act Gummiwerke GmbH. 1938 wurde die Firma in Deutschland zwangsenteignet. 1945 wurde die Fabrik bombardiert und zum Teil zerstört. Der Name "Fromms" ist bis heute ein Markenname. Nach 1945 wurde das Gummiwerk vom Autofritzen Kurt Osche als Autozubehör- und Ersatzteil-Lager mit Tankstelle und Vulkanisierung sowie vom Lampenhändler Ravi genutzt. Das Grundstück der Beschaffungsstelle wurde nach 1945 von der Mechanischen Werkstatt und Metallgießerei von Christian Böhing und der Reparaturwerkstatt Gustav Koops (gegründet 1934) sowie einer Kohlenhandlung genutzt. Zu DDR-Zeiten wurde das Grundstück vom Gummiwerk von der Materialwirtschaft des VEB Technische Gebäudeausrüstung Michael Niederkirchner und vom Betriebsteil I des VEB Baustoffversorgung Berlin (VEB Baustoffversorgungskombinat Berlin). In den 1990er Jahren wurde auf beiden Grundstücken ein Einkaufszentrum gebaut.

Papst-Werft
Westlich der Fabrik Glanzfilm AG stand an der Friedrichshagener Straße die Papst-Werft. Das Grundstück der Papst-Werft wurde 1927 von der Stadt Berlin für den Bau einer Berufsschule und eines Berufsfeuerwehr-Gebäudes gekauft. Die Gebäude der Papst-Werft wurden zuerst vom Versicherungsamt (Städtische Krankenversicherungsanstalt zu Berlin Bezirksabteilung Cöpenick), später vom Bezirkssteueramt und nach 1945 vom Gesundheitsamt und dem Referat Jugendhilfe der Volksbildung vom Rat des Stadtbezirks Köpenick genutzt. Zudem siedelten dort am Ufer der alten Spree einige Wassersportvereine (Cöpenicker Segler-Verein von 1926) an und war der Betrieb der Firma Columbus-Propeller von Carl Schmidt (nach 1945 Kolumbus-Propeller Karl Schmidt) dort ansässig. Nach 1945 war dort zudem einige Jahre die Firma Alfred Lüke (Werkzeuge für Metall- und Holzbearbeitung, vormals Hausnummer 1). Beides wurde vom Betriebsteil III (Bootsschrauben und Wellenanlagen) der Produktionsgenossenschaft des Handwerks Köpenicker Maschinenbau (PGH Köpenicker Maschinenbau, vormals seit 1945 Köpenicker Maschinenbau-Vereinigung e. Gen. mbH.), aus dem der Betriebsteil III vom VEB Köpenicker Maschinenbau wurde, übernommen. Seit den 1960er Jahren wird das Verwaltungsgebäude der Papst-Werft von der Musikschule Köpenick genutzt.
Auf einem Streifen an der westlichen Grundstücksgrenze von der Straße bis zur Alten Spree wurde nach 1945 eine Kleingartenanlage angelegt.
Im Jahr 1999 wurde auf dem Grundstück der ehemaligen Papst-Werft das Gebäude der Kindertagesstätte Schwanenkita gebaut.
Die Papst-Werft hatte einen Betriebsgleisanschluss an den Güterbahnhof Köpenick an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn, der über eine Weiche auf dem östlich nebenan gelegenen Fabrikgelände der Glanzfilm AG bestand.

Gartenarbeitsschule Köpenick
Westlich vom Gelände der ehemaligen Papst-Werft zwischen Friedrichshagener Straße und der alten Spree entstand in den 1970er Jahre ein Zentralschulgarten. Dieser ist als Gartenarbeitsschule Köpenick erhalten. Das Gelände der Gartenarbeitsschule Köpenick war bis 1927 im Besitz der Kodak AG sowie Glanzfilm AG und ging durch einen Gebietsaustausch an die Stadt Berlin. Das Austauschgebiet gehörte zur ehemaligen Papst-Werft und lag direkt westlich vom Fabrikgelände der Kodak AG.

Kalkbrandofen Alte Spree
Westlich neben dem Gelände der Gartenarbeitsschule Köpenick zwischen Friedrichshagener Straße und der alten Spree ist das ehemalige Werksgelände der Kalk- und Mörtelwerke Paul Selchow. Am Ufer der Alten Spree ist auf dem ehemaligen Werksgelände ein alter Kalkbrandofen (Kalkofen) von 1890 erhalten geblieben.

Berliner Dampfmühlen AG
Westlich neben dem Werksgelände der Kalk- und Mörtelwerke Paul Selchow war zwischen Friedrichshagener Straße und der alten Spree das Fabrikgelände der Berliner Dampfmühlen AG. Auf dem Fabrikgelände wurden in den 1950er Jahren an der Straße zwei Genossenschafs-Mietshäuser und mitten auf dem Gelände das Kinderwochenheim "Helene Weigel" gebaut, das heute als Städtische Kindertagesstätte genutzt wird.

Baumgarteninsel
Kurz vor der Mündung der Spree in die Dahme, wobei es offiziell genau anders herum ist, besteht in der Spree eine Insel namens Baumgarteninsel. Diese wird nördlich vom Nebenarm Köpenicker Spree, oder auch Alte Spree genannt, umflossen. Die Insel entstand vor sehr langer Zeit mit dem Anlegen des Katzengrabens als Entwässerung der Kietzer Wiesen. Auf der Insel war lange Zeit nur eine Wiese und auf ihr standen nur ein paar Schuppen. Die Insel wurde als Bleich- und Trockenplatz für Wäsche genutzt. 1867 wurde der Katzengraben verbreitert. Die Insel gehört der Stadt Berlin.
Ende der 1990er Jahre wurde der Katzengrabensteg über den Katzengraben und die Alte Spree mit einem Pfeiler auf der Baumgarteninsel gebaut.

Das Neuenhagener Mühlenfließ (Erpe) mündet mit zwei Armen in die Spree. Der erste Arm wird auch Neuenhagener Mühlenfließ (Erpe) genannt und mündet von Norden kommend östlich neben der Salvador-Allende-Brücke in die Spree. Der zweite Arm wird nur Mühlenfließ (Alte Erpe) genannt und verläuft nördlich am Bellevuepark vorbei und mündet nördlich der Baumgarteninsel in die Alte Spree. Möglicherweise wurde der erste Arm künstlich angelegt. In früheren Zeiten wurde von Überschwemmungen durch die von Norden über die eiszeitlichen Rinnen kommenden Fließe berichtet. Das Quellgebiet der Erpe liegt in der Umgegend von Werneuchen.

Lampenfabrik Otto Müller
Direkt am Güterbahnhof Köpenick an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn steht das Fabrikgebäude der 1917 eröffneten Lampenfabrik Otto Müller AG (Metallwarenfabrik) in der Kaiser-Wilhelm-Straße (Kirdorfstraße, Seelenbinderstraße). Die Lampenfabrik hatte einen Betriebsgleisanschluss als Stichgleis, von dem aus die Betriebsgleisanschlüsse der Kabelwerke Vogel, der Kodak Filmfabrik und der Papst-Werft abgingen. Die Lampenfabrik wurde wahrscheinlich zwangsenteignet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik genutzt von der Abteilung Omag Werk Köpenick der Metallwaren-Fabrik Hugo Schneider AG (Hugo und Alfred Schneider AG, HASAG, Leipzig). Nach 1945 wurde die Fabrik von der Nährmittelwerk Köpenick G.m.b.H. genutzt. Zu DDR-Zeiten wurde die Fabrik vom VEB Wärmegeräte- und Armaturenwerk Berlin (VEB WAW Berlin, Kombinat Haushaltsgeräte Karl-Marx-Stadt) genutzt. Nach 1990 einige Zeit Nutzung durch die GAMAT Wärmegeräte GmbH. Heutige Nutzung durch mehrere Gewerbetreibende.

Oetting-Villa
Am Maria-Jankowski-Park an der Bahnhofstraße in Köpenick steht die sogenannte Oetting-Villa, oder Kathreiner-Villa, mit ehemaligem Villengarten. Es ist die Fabrikantenvilla des Unternehmers und Kommunalpolitikers Friedrich Wilhelm Oetting. F. W. Oetting unterhielt in Köpenick eine Zuckersiederei, eine Sirupkocherei, eine Stärkemehlfabrik und eine Zichorienfabrik.

Im Jahr 1860 wurde mit Unterstützung des Kommunalpolitikers Friedrich Wilhelm Oetting (1834–1892) die Dammvorstadt in Köpenick als neue Siedlung gegründet. F. W. Oetting erwarb dort selbst Grundstücke und errichtete eine Zuckersiederei, eine Sirupkocherei und eine Stärkemehlfabrik. Im Jahr 1862-1863 lies er die Oetting-Villa mit Wirtschaftsgebäuden errichten. 1865 folgte auf einem neben der Villa gelegenen Grundstück der Bau einer Cichorienfabrik (Zichorienfabrik, Kaffee-Ersatz) an der heutigen Joachimstraße.

F. W. Oetting wurde im Jahr 1877 Teilhaber der Berliner Cichorien-Fabrik und Gewürzmühle F. F. Resag in der Dresdener Straße und war ab 1878 Allein-Inhaber selbiger. Die 1807 in Berlin gegründete Firma F. F. Resag war bis 1874 in Familienbesitz, zuletzt unter Leitung von C. J. F. Resag, sowie zeitweise (1820, 1867) in Corporation. 1892 übernahm Richard Oetting aus Schlachtensee die Firma samt Fabriken in Köpenick und Berlin. Die Zichorien-Fabrik F. F. Resag firmierte unter Richard Oetting auch als Malzkaffee-, Kaffee-Ersatz-, Kaffee-Surrogate- und Eichelkaffee-Fabrik. 1907 wurde in Köpenick an der Lindenstraße ein neues Fabrikgebäude der Firma F. F. Resag AG gebaut. 1909 wurde die Fabrik in der Dresdener Straße abgerissen und in Räume in einem bereits bestehenden Etagenfabrikgebäude der Gebrüder Schickler (Bankgeschäft) in der Holzmarktstraße (heute Standort Trias) verlegt, in dem auch andere Firmen ansässig waren. 1913 wird bei der Firma F. F. Resag AG erstmals der Vorstand Hugo Thennert (Thennat), Richard Pütsch und Franz Mewes erwähnt. 1922 übernimmt die nun Kaufmannswitwe Margarete Oetting, geboren Borgmann, die Firma. Zu dieser Zeit ist Franz Mewes der Direktor der Fabrik F. F. Resag AG in Köpenick, die als Fabrik für Kaffee-Zusatz sowie Kaffee-Ersatz firmiert. Ab dem selben Jahr wird am Grundstück der Oetting-Villa in Köpenick eine Gärtnerei erwähnt. Bis 1926 ist der Direktor der F. F. Resag Fabrik in Köpenick Franz Mewes und danach W. Ehwe. Ab 1926 wird die F. F. Resag Fabrik in Köpenick zusätzlich von der Firma Sächsische Malzkaffeefabrik und Nährmittelindustriewerke C. Müller GmbH genutzt, sowie ab 1927 zusätzlich von der Firma Aguma GmbH Kaffeesurrogate. Ab mindestens 1924 bewohnt der Direktor der Firma F. F. Resag AG Hugo Thennert (Thennat) die Oetting-Villa mit Gärtnerei. Ab 1928 ist Hugo Thennert (Thennat) der General-Direktor der Firma F. F. Resag AG und wird Privat-Eigentümer der Oetting-Villa. Die Gärtnerei wurde in den folgenden Jahren aufgegeben und zwei Ärzte wurden ansässig. Im Jahr 1929 übernahm die Firma Kathreiners Malzkaffee-Fabriken GmbH (München, Berlin) die Firma F. F. Resag AG. Der Firmenname F. F. Resag AG blieb erhalten. Generaldirektor blieb Hugo Thennert (Thennat) und Fabrikdirektor der Fabrik in Köpenick blieb W. Ehwe, sowie ab 1931 H. Schlüter. Ab 1931 war in der F. F. Resag Fabrik in Köpenick anstatt der Firma Sächsische Malzkaffeefabrik und Nährmittelindustriewerke C. Müller GmbH die Firma Laboratorium für Lebensmittel-Untersuchung GmbH ansässig.

1929 ging das Fabrik-Grundstück der alten Oetting-Fabrik neben der Oetting-Villa an die Stadt Berlin. Die Stadt lies einige Gebäudeteile der alten Oetting-Fabrik zur Nutzung durch die Städtische Volksspeisung abreissen. Um 1939 wurde die alte Oetting-Fabrik als Theodor-Körner-Heim (Jugendheim) genutzt. 2011 und 2014 wurde die alte Oetting-Fabrik komplett abgerissen.

Das nahegelegene ehemalige Gebäude vom Kinderwochenheim "Hans Scholl" an der Lindenstraße gehörte nicht zur Oetting, Resag oder Kathreiner. Dieses wurde in den 1950er Jahren anstelle einer 1932+ erbauten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Reichsbank-Filiale gebaut sowie 2014 abgerissen.


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