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Berlin erforschen und Brandenburg entdecken
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Brauerei Königstadt und Brauerei Bötzow

Königstadt
Die Königstadt ist ein historischer Stadtteil Berlins, der lange Zeit vor den Toren Berlins lag. Die Königstadt lag vor dem Königstor an der Königsbrücke der Berliner Stadtmauer mit Wassergraben. Der Platz vor dem Königstor heißt seit 1805 Alexanderplatz. Bis 1701 hieß das Königstor noch Georgentor und das Stadtviertel Georgenvorstadt, benannt nach dem damals vor dem Tor gelegenen Georgenhospital, und vor der Zeit des Georgenhospitals war das Königstor das Oderberger Tor sowie das Bernauer Tor, benannt nach einem Handelsweg von Bernau kommend auf der Via Imperii von Stettin nach Rom. Durch das bis 1701 so benannte Georgentor zog Friedrich I. König in Preußen nach seiner Krönung in Königsberg in seine neue Residenz Berlin ein. Daraufhin wurde das Tor Königstor sowie die Brücke Königsbrücke und die vom König befahrene Straße innerhalb der Stadtmauer Königsstraße und außerhalb der Stadtmauer Neue Königsstraße genannt. Das Stadtviertel vor dem Königstor wurde Königstadt genannt. Irgendwann im 19. Jahrhundert wurde die Königstadt zur Königsstadt.

Das Gebiet, das Königstadt genannt wurde und genannt wird, wechselte in der Geschichte Berlins mehrmals seine Lage. Weit um 1800 war dies das Gebiet zwischen Alexanderplatz sowie ehemaligem Prenzlauer Tor am Beginn der Prenzlauer Allee (Höhe Torstraße) und ehemaligem Landsberger Tor am Beginn der Landsberger Allee (Höhe Platz der Vereinten Nationen), das mehrmals leicht verändert wurde. Um 1875 war dies das Gebiet zwischen Alexanderplatz, Prenzlauer Allee, Landsberger Allee und der Grenze zu Weißensee.

Brauerei Königstadt
Die Brauerei Königstadt wurde 1849 als »Wagner's Brauerei« mit Bairisch-Bier Brauerei gegründet. Im Jahr 1871 wurde die Brauerei nach dem historischen Stadtteil Königstadt benannt, obwohl sie gar nicht in selbigem sondern zwischen Schönhauser Allee und Prenzlauer Allee in der Rosenthaler Vorstadt lag. 1921 wurde die Brauerei von der Kindl Brauerei übernommen und stillgelegt. Seitdem wird die Brauerei von Kleingewerbe-Unternehmen genutzt.

Name Bötzow
Der Name Bötzow ist womöglich ein slawischer Name. Der heute unter dem Namen Oranienburg bekannten Stadt nordwestlich von Berlin wurde im Jahr 1232 als Bochzowe das Stadtrecht verliehen. Im Jahr 1483 wird diese Stadt Bötzow genannt. Im Jahr 1650 vermachte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Domäne Bötzow seiner Frau Louise Henriette von Oranien. 1652 wurde in Bötzow ein Schloss mit dem Namen Oranienburg gebaut. Dieser Name wurde auf die Stadt übertragen.

Brauerei-Familie Bötzow
In Berlin sind seit mindestens 1818 mehrere Bötzows nachweisbar. Darunter ein Brunnenmacher, ein Großböttcher, ein Porzellanwarenhändler, ein Bezirksvorsteher vom Prenzlauer Thor-Bezirk, ein Brennereibesitzer und viele weitere. Inwieweit alle miteinander verwandt waren ist nicht bekannt. Im Bezug zur Brauerei stehen drei Herren mit Namen Bötzow und mehrere Witwen. Im Jahr 1823 wird der Ackerbürger C. F. Bötzow (Franz Bötzow) mit Adresse Alte Schönhauser Straße 24 erwähnt. Zudem wird im Jahr 1823 und 1833 der Gutsbesitzer M. L. Bötzow mit Adresse Neue Königsstraße 53 sowie 1852 mit Adresse Neue Königstraße 19 erwähnt, der nur indirekt mit der Brauerei Bötzow in Verbindung steht, da er wahrscheinlich der Vater oder sogar Großvater vom späteren Braueigner Albert Bötzow ist. Im Jahr 1833 wird neben dem nun Gutsbesitzer und Wröhherr (Ackerbürger) C. F. Bötzow (Franz Bötzow) mit Adresse Alte Schönhauser Straße 23/24 der Wirtschafts-Inspector J. Bötzow (Julius Bötzow) mit Adresse Alte Schönhauser Straße 23 erwähnt. Franz Bötzow und Julius Bötzow werden einige Jahre später im nähreren Bezug zur Brauerei Bötzow von 1864 stehen. Im selben Jahr, also bereits 1833, wird die Brauer Witwe F. Bötzow aus Charlottenburg als erste mit dem Familiennamen Bötzow im Bezug zu einer Brauerei erwähnt. Inwieweit diese mit der 30 Jahre später gegründeten Brauerei Bötzow in Verbindung steht ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich ist sie vorher schon verstorben. Im Jahr 1862 überschneiden sich die Erwähnungen. Es wird erwähnt der Braueigner F. W. A. Bötzow (Albert Bötzow) mit Adresse Neue Königsstraße 18, der Guts- und Brennereibesitzer F. Bötzow (Franz Bötzow) mit Adresse Alte Schönhauser Straße 23/24 und der Gutsbesitzer J. Bötzow (Julius Bötzow) mit Adresse Vor dem Prenzlauer Thore. Mit diesen Erwähnungen im Jahr 1862 beginnt die Vorgeschichte und zugleich die Geschichte der Brauerei Bötzow von 1864 mit Adresse Vor dem Prenzlauer Thore auf der linken Seite beim Bötzow'schen Haus an der Prenzlauer Allee.

Brennerei Bötzow Vorwort
Es ist immer davon auszugehen, dass Erwähnungen aus vergangenen Zeiten fehlerhaft sind.
Im Bezug von Brennerei und Bötzow ist zuallererst eine Berichtigung und in der Sache um den Titel Gutsbesitzer ein Hinweis notwendig, sowie bezüglich einer Adressangabe eine Unterscheidung mitzuteilen. Im Jahr 1838 wird fälschlicherweise die Knochenbrennerei Sydow mit Adresse Vor dem Königsthor im Bötzowschen Hause erwähnt. Das Bötzowsche Haus lag nicht Vor dem Königsthor, sondern Vor dem Prenzlauer Thor. Dabei ist zu beachten, dass mit diesem Königsthor das Königsthor an der Berliner Akzisemauer (Berliner Zollmauer) gemeint ist, das zugleich das Bernauer Thor war (heutige Lage Otto-Braun-Straße Höhe Straße Prenzlauer Berg und Am Friedrichshain), und nicht das ältere Königsthor an der Königsbrücke in der Festungsanlage von Berlin (heutige Lage Alexanderplatz). Hingegen lagen Prenzlauer Thor - Bernauer Thor - Landsberger Thor - Frankfurter Thor vor dem alten Königsthor am Alexanderplatz, weil von allen Vieren aus die Königsbrücke passiert werden musste, an der das Königsthor stand, um in die Altstadt von Berlin zu kommen. Allerdings wurde das Königstor an der Königsbrücke bereits 1746 abgetragen. Die Königsbrücke war bis 1777 eine Holzbrücke und ab 1777 eine Sandsteinbrücke, an der 1780 die Königskolonnaden angebaut wurden, die als einziges Relikt der Königsbrücke, die 3 Jahre vor ihrem Abbruch beim Bau der Berliner Stadtbahn ab 1875 noch einmal durch einen Neubau ersetzt worden war, an dieser Stelle erhalten blieben und 1910 in den Kleistpark an der Potsdamer Straße versetzt wurden.

In einer Knochenbrennerei wurde kein Schnaps aus Knochen, sondern Knochenkohle, Düngemittel, Fette und Leime - aus Knochen von geschlachteten Tieren - hergestellt. Der Geruch der Knochenbrennereien soll sehr unangenehm gewesen sein.

Am Standort Vor dem Prenzlauer Thor sind keine Knochenbrennereien bekannt. Die besagte Knochenbrennerei Sydow lag Vor dem Königsthore im Badenschen Hause und wird so auch 1840 und 1842 richtig erwähnt. Im Jahr 1857 gab es Vor dem Königsthor 3 Knochenbrennereien. Eine von diesen wurde noch 1874 an der heutigen Greifswalder Straße Nordostecke Pasteurstraße kartiert. Allerdings wird 1852 und 1853 ein Gutsbesitzer Bötzow als Eigentümer einer Scheune mit Adresse Vor dem Königsthor erwähnt. 1868 wird der Gutsbesitzer Julius Bötzow Senior mit Adresse Vor dem Frankfurter Thor erwähnt. Zumindest die letztgenannte Erwähnung ist ein Fehler und die davor möglicherweise einer.

Vor dem Prenzlauer Thor und dem Schönhauser Tor zwischen Schönhauser Allee und Prenzlauer Allee lag das Scheunenviertel von Berlin.

Bezüglich der Adresse Bötzowsches Haus (Bötzow'sches Haus) ist zu erwähnen, das es zwei verschiedene gab. Die erste Adressse Bötzowsches Haus war an der Julius Bötzow Brennerei neben dem Excerzierhause (heutige Lage an der Prenzlauer Allee zwischen Torstraße und Saarbrücker Straße). Die zweite Adresse Bötzowsches Haus war direkt auf dem Windmühlenberge (heutige Lage zwischen Prenzlauer Allee und Straßburger Straße nördlich der Saarbrücker Straße). Dort stand das Caffehaus Belvedere vom Pächter Caffetier C. H. T. Würst (Cafetier Würst). Der Cafetier Würst wird nachweislich von 1840 bis 1866 mit Adresse Vor dem Prenzlauer Thor auf dem Windmühlenberg erwähnt. Nördlich vom Caffehaus ist im Jahr 1846 zudem die Windmühle Bötzow (heutige Lage Straßburger Ecke Metzer Straße) verzeichnet sowie unmittelbar neben dem Caffehaus westlich die Windmühle vom Mühlenbesitzer J. E. Seibt im Herrmannschen Hause und nordwestlich die Windmühle Detlau. Zur Unterscheidung werden folgend beide Bötzowschen Häuser mit (1) und (2) markiert.
Die Villa Bötzow der Julius Bötzow Brauerei von 1864 stand an der Prenzlauer Allee nahe Metzer Straße südlich an der Tor-Zufahrt mit Pförtnerhäuschen. Ob die Villa Bötzow bereits 1864 oder erst 1884 oder erst danach gebaut wurde ist nicht bekannt.

Aufgrund der 1848 vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. oktroyierten Verfassung für den Preußischen Staat als Reaktion auf die Märzrevolution in Berlin, und der zuvor seit dem 16. Jahrhundert stattgefundenen Trennungen von Gutsbesitz und Bauernland (Gemeindeland) in der Feldmarkgemeinschaft insbesondere in der Zeit der Bauernbefreiung in Preußen ab dem 18. Jahrhundert, verkauften viele Gutsbesitzer ihren Gutsbesitz entweder im Gesamten oder in Parzellen. Auch die Käufer einzelner Guts-Parzellen durften sich Gutsbesitzer nennen, woraufhin es ab um 1875 eine Schwemme von Gutsbesitzern gab. Von daher ist anhand der Bezeichnung Gutsbesitzer Bötzow nicht zu bestimmen um welchen es sich dabei genau handelt. Allerdings waren die Bötzows mit dem Titel Gutsbesitzer keine Parzellen-Gutsbesitzer. Sie waren Eigentümer der Gegend Vor dem Prenzlauer Thor (Windmühlenberg), haben allerdings ihren Gutsbesitz verpachtet und nach 1850 auch in Parzellen verkauft. Die Bedeutung des Titels Gutsbesitzer wurde mit der Zeit immer unbedeutender und nahm in Preußen sein Ende mit der Auflösung der Gutsbezirke in den Jahren 1928 bis 1930 aufgrund des preußischen Gesetz über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechts von 1927. Endgültig unbedeutend wurde der Titel nach 1945.

Brennerei Bötzow
Die Geschichte der Julius Bötzows Brennerei vor dem Prenzlauer Thor beginnt nachweislich im Jahr 1823. Im Jahr 1823 wird erstmals der Gutsbesitzer J. C. Bötzow (J. Bötzow) mit Adresse Linienstraße 1-2 (heutige Lage in etwa Mollstraße Ecke Otto-Braun-Straße) erwähnt. Die Adresse ist genau um die Ecke der Adresse Neue Königsstraße 10/11 (ab 1846 Neue Königsstraße 18) eines weiteren Bötzow. Dieser J. C. Bötzow ist sehr wahrscheinlich der Großvater vom Julius Bötzow der Brauerei Bötzow von 1864. Im Jahr 1833 wird ein J. Bötzow als Wirtschafts-Inspector mit Adresse Alte Schönhauser Straße 23 erwähnt. Die Brennerei-Bötzows sind in den Erwähnungen schwer von anderen Bötzows zu unterscheiden. Im Jahr 1837 ist eine Erwähung eindeutiger mit der Angabe vom Guts- und Brennereibesitzer J. Bötzow Junior mit Adresse vor dem Prenzlauer Thor neben dem Exercierhause (Exerzierhaus). Dies ist der erste Nachweis der J. Bötzow Brennerei. Womöglich ist dies der Vater vom Julius Bötzow der Brauerei Bötzow von 1864, der zu dieser Zeit mit der Angabe Junior von seinem Vater unterschieden werden soll. Allerdings fehlt eine Adresse in der Stadt. Es ist allerdings möglich, dass der Brennereibesitzer selbst im zur Brennerei gehörenden Bötzowschen Haus (1) und somit außerhalb der Stadt wohnte, auch wenn so etwas wohl eher die Ausnahme war. In einzelnen Erwähnungen wird gelegentlich die Adresse Linienstraße 1-2 mit angeben, die allerdings dem Gutsbesitzer Stachow gehörte. Die Stachows waren mit den Bötzows verbandelt. So würde sich auch die Adressangabe von 1833 mit Alte Schönhauser Straße 23 erklären, in der der Bruder vom zu dieser Zeit J. Bötzow Junior wohnte. Der zu dieser Zeit J. Bötzow Junior schien beide Adressen in der Stadt gelegentlich als Zusatz anzugeben. In der Alten Schönhauser Straße 23/24 wohnte sein Bruder und in der Linienstraße 1-2 sein Vater bei den Stachows. Eine genauere Unterscheidung wird 1848 durch die Angabe Gutsbesitzer J. E. C. Bötzow mit Adresse Linienstraße 1-2 und Guts- und Brennereibesitzer J. F. A. Bötzow mit Adresse Vor dem Prenzlauer Thore neben dem Exercierhause mitgeteilt. J. E. C. Bötzow ist hier der Senior und J. F. A. Bötzow der Junior und Branntweinbrennerei-Besitzer, der in den Jahren 1846/1850/1853/1857 als Adresszusatz die Adresse Linienstraße 1-2 verwendet.
In einer Karte aus dem Jahr 1846 ist die »J. Bötzows Brennerei« eingezeichnet, direkt nördlich neben dem Exierzierhaus nordwestlich am Prenzlauer Thor.
Im Jahr 1857 wird auch J. C. Bötzow mit Adresse Linienstraße 1-2 als Guts- und Brennereibesitzer erwähnt. Von mindestens 1862 bis 1864 wird neben dem Brennereibesitzer J. Bötzow (ehemals Junior und nun Senior) sein Bruder F. Bötzow als Guts- und Brennereibesitzer mit Adresse Alte Schönhauser Straße 23/24 erwähnt. In den Jahren 1865 und 1866 wird F. Bötzow alleinig als Branntweinbrennerei-Besitzer erwähnt und ab 1867 wurde leider nur noch die ungenaue Angabe Bötzow gemacht, sowie werden ab 1873 aus wohl irgendeinem politischen Grund keine Branntweinbrennerei-Besitzer mehr erwähnt. Das im Jahr 1828 gebaute Exerzierhaus (Exercierhaus des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1) an der Torstraße Ecke Prenzlauer Allee wurde 1902 an den Berliner Beamten-Wohnungsverein veräußert, die es im selben Jahr abreißen lies sowie in den Folgejahren auf Teilen des Grundstücks Mietshäuser bauen lies, die heute noch erhalten sind. Im Jahr 1929 wurde auf dem Eckgrundstück das Kaufhaus Jonaß (Kredit-Warenhaus der Jonaß & Co. AG) eröffnet, dessen Gebäude heute noch erhalten ist. Auf einem Teil des Grundstücks der Brennerei Bötzow ließ die Firma Aschinger 1912 das heute noch erhaltene Backhaus errichten.
Zum F. Bötzow mit Adresse Alte Schönhauser Straße 23/24 ist in der Geschichte um die Brauereien der Bötzows mehr zu erfahren.

Bötzow Brauereien vor 1864
Im Bezug zu Brauereien und dem Familiennamen Bötzow wird 1833/1834 die Brauer-Witwe F. Bötzow geborene Weber mit Adresse Scharrnstraße 2 in Charlottenburg erstmals ohne nähere Angaben erwähnt. Inwieweit diese etwas mit den späteren anderen Brauerei-Bötzwos zu tun hatte ist nicht bekannt.
Die Geschichte der Brauereifamilie Bötzow der Brauerei Bötzow von 1864 beginnt frühestens nachweislich im Jahr 1818 mit dem Ackerbürger (Wröherr/Wröhherr) F. W. Bötzow (F. W. A. Bötzow, Albert Bötzow), Bezirksvorsteher im Prenzlauer Thor-Bezirk sowie später auch Armen-Director, mit Adresse in der Linienstraße 59 (ab 1823 Linienstraße 33). Möglicherweise war der Gutsbesitzer M. L. Bötzow mit Adresse Neue Königsstraße 53 sein Vater, der wahrscheinlich 1837-1845 verstorben ist und den Gutsbesitz an seinen Sohn vererbte. Im Jahr 1845 wird der Gutsbesitzer Albert Bötzow mit Adresse Neue Königsstraße 10/11 (heutige Lage in etwa Otto-Braun-Straße Nordwestecke Mollstraße) erstmals als Braueigner erwähnt. Wie es der Zufall will werden im selben Jahr die Hausnummern in selbiger Straße neu gewürfelt. Im Jahr 1846 ist der Gutsbesitzer Albert Bötzow der Brauereibesitzer einer Weiß-Bier-Brauerei mit Adresse Neue Königsstraße 18 und bleibt sein Leben lang ein Braueigner. Mit der Gründung der »Julius Bötzow Brauerei« im Jahr 1864 verpachtete Albert Bötzow seine Brauerei in der Neuen Königsstraße 18 zeitweise an verschiedene Pächter (1864-1866 Friedländer, 1872-1875 Wiener Brauhaus). Im Jahr 1863 wird der Umstieg auf Bairisch-Bier erwähnt. Inwieweit die Verpachtung und der Bierwechsel etwas mit der Gründung der »Julius Bötzow Brauerei« zu tun haben ist nicht bekannt. Ab 1876 wird als Eigentümer der Brauerei in der Neuen Königsstraße 18 der Bierverleger E. Bötzow erwähnt. Ab 1878 hieß die Brauerei in der Neuen Königsstraße 18 »Brauerei zum Bayerischen Löwen« und wurde verpachtet (1878-1880 Sigmund Gütermann). Ab 1882 hieß die Brauerei in der Neuen Königsstraße 18 »Bürgerliches Brauhaus« und wurde verpachtet (1882-1885 G. Tilgner, 1887 J. Mergenhagen, 1888-1890 Otto Müller). Wie lange diese noch weiterbestand wurde nicht recherchiert. Zudem ist nicht bekannt in welchem Verhältnis die Brauerei von Albert Bötzow sowie E. Bötzow mit der Brauerei Bötzow von 1864 von Julius Bötzow Junior stand.
Die Brauerei von Albert Bötzow war nicht die einzige unter dem Familiennamen Bötzow vor der Gründung der »Julius Bötzow Brauerei« von 1864. Im Jahr 1848 wird der Gutsbesitzer und Wröhherr (Ackerbürger) F. Bötzow (C. L. F. Bötzow, Franz Bötzow) mit Adresse Alte Schönhauserstraße 23/24 als Weißbierbrauereibesitzer erwähnt. In dieser Brauerei wird 1864 von Julius Bötzow Junior die Bairisch-Bier-Brauerei Julius Bötzow (Bairischbier-Brauerei, Bötzow Brauerei, »Julius Bötzow Brauerei«) mit Lagerkeller und Ausschank Vor dem Prenzlauer Thore auf dem Windmühlenberge gegründet. Dies ist der Beginn der Brauerei Bötzow an der heutigen Prenzlauer Allee. Im Jahr 1884 wird die »Julius Bötzow Brauerei« komplett auf den Windmühlenberg verlegt. Im Jahr 1885 wird in der alten Brauerei in der Alten Schönhauserstraße 23/24 ein Flaschenbierverlag gegründet und im Jahr 1890 wieder eine Weiß-Bier-Brauerei unter dem Namen »Berliner Brauhaus« eröffnet.

Brauerei Bötzow von 1864
Die Brauerei Bötzow wurde 1864 von Julius Bötzow (1839-1914) als »Julius Bötzow Brauerei« in der bereits seit 1848 bestehenden Weiß-Bier-Brauerei seines Onkels Franz Bötzow mit Adresse Alte Schönhauser Straße 23/24 gegründet. Julius Bötzow Junior war zuvor in der damals lange Zeit sehr bekannten Brauerei Grüntal auf dem Gut Sydow (nordöstlich von Bernau, östlich von Biesenthal) und lernte dort das Brauen von Bairisch-Bier. Auf dem Windmühlenberge vor dem Prenzlauer Thore lies Juluis Bötzow einen Bierlagerkeller mit Ausschank und Biergarten errichten. 1865 wird der nun Guts- und Brauereibesitzer Julius Bötzow Junior mit Adresse Alte Schönhauser Straße 24 und Lagerkeller und Ausschank Vor dem Prenzlauer Thore auf dem Windmühlenberge erwähnt. Im Jahr 1866 wird die Adresse Bötzow'sche Kellerei mit dem Restaurateur Steinlandt erwähnt. Das gibt einen Hinweis, dass der Ausschank mit Restaurant und Biergarten zumindest im Jahr 1866 verpachtet wurde. Ab dem Jahr 1878 ist die Adresse von Lager, Kellerei und Ausschank Vor dem ehemals Prenzlauer Thor auf dem Windmühlenberg und ab 1880 Saarbrückerstraße 1-4. Im Jahr 1883 wird vor dem Prenzlauer Thor auf dem Windmühlenberg, anstelle vom Bötzowschen Haus (2) mit Caffehaus Belvedere, eine neue Brauerei gebaut - die Brauerei Bötzow von Julius Bötzow wie sie in Gebäuden heute zum Teil noch erhalten ist. Die 1864 in der Alten Schönhauserstraße 23/24 gegründete Julius Bötzow Brauerei wurde im Jahr 1884 in die neue Brauerei auf den Windmühlenberg verlegt. Im Jahr 1885 wird in der alten Brauerei in der Alten Schönhauserstraße 23/24 ein Flaschenbierverlag gegründet. Ab dem Jahr 1887 ist Julius Bötzow Hoflieferant Seiner Majestät des Königs. Im Jahr 1890 wird die alte Brauerei in der Alten Schönhauserstraße 23/24 wieder zu einer Weiß-Bier-Brauerei mit dem Namen »Berliner Brauhaus«. Im selben Jahr eröffnet die Julius Bötzow Brauerei zudem einen Brauereiausschank in der Friedrichstraße 100.

Im Jahr 1914 verstarb der Brauereibesitzer Julius Bötzow unvorhergesehen. Die Brauerei wurde von einer Erbengemeinschaft übernommen. Erst 1826 übernahm sein Bruder Hermann Bötzow die Brauerei und überführte die Brauerei 1927 in die »Josef Bötzow Brauerei AG«. In den 1930er Jahren erwarb die Schultheiss-Patzenhofer Brauerei die Mehrheit der Aktienanteile der Brauerei Bötzow und braute in der Brauerei die Marke Bötzow-Privat. 1938 wurde die Bötzow Brauerei wieder in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei teils zerstört, darunter auch die Villa Bötzow. Hermann Bötzow und seine Frau Ruth begingen wenige Tage vor dem Einzug der Roten Armee in Berlin aus Angst vor den sowjetischen Soldaten Selbstmord. Bis 1948 wurde noch Bier in der Bötzow Brauerei gebraut. Zu DDR-Zeiten wurde die Brauerei von der Vereinigung Volkseigener Betriebe Fischwirtschaft als Lager und von der HO WtB Berlin (Handelsorganisation Waren des täglichen Bedarfs Berlin) als Großhandelslager für Spirituosen und Waschmittel genutzt. 1952 wurde im Biergarten der Bötzow Brauerei und anstelle der Villa Bötzow ein Kindergarten gebaut. 1959 wurde am ehemaligen Eingang zum Biergarten an der Ecke Saarbrücker Straße und Prenzlauer Allee ein Liebknecht-Gedenkstein aufgestellt, der an die im Jahr 1919 im Biergarten der Brauerei stattgefundenen Gründung des Revolutionsausschusses aus Mitgliedern der KPD und der USPD unter der Leitung von Karl Liebknecht erinnert. Seit 1993 wechselte die Brauerei mehrmals den Besitzer.

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