Fotowiesel.de BasisFotomapInfo PayPal Gefällt Mir Button
Berlin erforschen und Brandenburg entdecken
Basis | Berlin erforschen |

Lichtenberger Kietz

Die heutige umgangssprachliche schreibweise von Kiez war ursprünglich Kietz und ebenso war es beim Lichtenberger Kiez, der ursprünglich Lichtenberger Kietz geschrieben wurde und an der Lückstraße im Weitlingkiez in Rummelsburg lag. Die heutige Bedeutung von Kiez meint die Blockbebauung mit Mietskasernen für die Arbeiterbevölkerung um 1900.

Ein ursprünglicher Kietz war eine Siedlung, die ausserhalb vom Dorf lag und in der Tagelöhner, meist Slawen, in sogenannten Katen (Hütten) wohnten. Die Tagelöhner wurden Kätner, Kötter (Köter) oder Kossäten genannt, die ihren Lohn in Naturalien erhielten. Die Wortherkunft von Kietz mit dem bekannteren abfälligen Wort Köter (Hund) lässt darauf schließen, dass die Slawen nach der Eroberung ihrer Siedlungsgebiete durch die Askanier und der damit einhergegangenen Zerstörung oder Übernahme ihrer Siedlungen in mit Reisig bedeckten Höhlen und Gruben sowie einfachsten Hütten aus Reisig wohnten, also in einfachsten Behausungen fast wie Tiere wohnen mussten. Vermutlich wurde ihnen das Bauen von festen Behausungen nicht erlaubt, bzw. wurden ihnen dafür keine Mittel gegeben. Solch ein Kietz bestand am Dorf Lichtenberg und wurde erstmals 1571 als Kietzer Lacken erwähnt. Ein Lacken bezeichnet eine natürliche Grenzmarkierung durch Bäume oder ähnlich.

Der Kietzer Lacken lag in der sogenannten Boxhagenschen Heide südlich dem Busch Lichtenberger Nachthütung, der am Standort vom späteren Bahnbetriebswerk Lichtenberg Ost (BLO) sowie dem Gewerbegebiet Coppistraße stand. Das Rittergut Lichtenberg hatte eine Hütungsberechtigung in der Boxhagenschen Heide, die zur Stadt Berlin gehörte, und löste diese im Jahr 1855 durch Landabfindung ab. Im Jahr 1860 gab die Stadt Berlin die Verwaltung von Kämmereidorf Lichtenberg, Kolonie Friedrichsberg und Kolonie Lichtenberger Kietz an den Rittergutsbesitzer Röder ab. Im Osten wurde der Kietzer Lacken durch den Grenzgraben zu Friedrichsfelde hin begrenzt, der heute dort bedeckt kanalisiert verläuft und zu Zeiten der Rieselfelder Bürknersfelde von 1880 und Rieselfelder Falkenberg von 1886 als Rieselgraben zur Entwässerung in die Spree genutzt wurde. Am Lichtenberger Kietz bestand ein Torfmoor, das vom Grenzgraben (Rieselgraben) passiert wurde.

Im Jahr 1783 wurde durch den ersten Erbpächter vom Gut Lichtenberg Kommissionsrat Claar eine Kolonie auf dem Kietzer Lacken gegründet, die Lichtenberger Kietz genannt wurde. Die Kolonie bestand aus vier Kolonistenhäusern und wurde in den Folgejahren ausgebaut. Die Kolonistenhäuser standen südlich entlang eines Weges von der Meierei Rummelsburg (Wirtshaus Rummelsburg) von Johann Jakob Rummel am Stralauer See (Rummelsburger See) sowie vom Vorwerk Boxhagen zum Dorf Friedrichsfelde und zur Kolonie Friedrichsfelde.

Im Jahr 1882 wird im Lichtenberger Kietz ein seit einigen Jahren bereits bestehendes Eiswerk erwähnt, das in der Fischerstraße am heutigen Zugang zum Blockpark stand. Im selben Jahr wird die Pflasterung der Prinz Albertstraße (Nöldnerstraße) beschlossen.

Im Jahr 1889 wurde der Lichtenberger Kietz Teil der neu gegründeten Landgemeinde Boxhagen-Rummelsburg im Kreis Niederbarnim. Bereits seit 1861 gehörte Rummelsburg zum Gutsbezirk Boxhagen im Kreis Niederbarnim.

1907 erhielt die Landgemeinde Lichtenberg das Stadtrecht und wurde zur Stadt Lichtenberg. Der Lichtenberger Kietz lag weiterhin ausserhalb der Grenze von Lichtenberg.

Im Jahr 1912 wurde die Landgemeinde Boxhagen-Rummelsburg in die Stadt Lichtenberg eingegliedert.

Mit der Berliner Bezirksreform von 2001 wurde der Lichtenberger Kietz im Jahr 2002 Teil vom neuen Ortsteil Rummelsburg.

Von den Kolonistenhäusern im Lichtenberger Kietz sind noch zwei erhalten, eines von um 1789 und eines von um 1827.


© 2004 - 2019 Fotowiesel.de - Alle Rechte vorbehalten. | Datenschutzerklärung & Impressum & Kontakt
Cookies in Gebrauch.
Weitere Informationen